Zeitgenössische Keramik sammeln: Warum Ton das neue Gold der Kunstwelt ist

Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der Annahme, der Wert von Keramik sei rein subjektiv, gehorcht er klaren Marktsignalen, die den Aufstieg eines Künstlers vorhersagbar machen.

  • Der Wert wird nicht durch Funktionalität, sondern durch künstlerische Innovation und eine einzigartige Formensprache bestimmt.
  • Preise wie der deutsche Richard-Bampi-Preis fungieren als entscheidende Werttreiber, die Talente für den Markt sichtbar machen.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf Absolventenausstellungen und spezialisierte Messen in Deutschland, um Künstler zu entdecken, bevor Auktionshäuser ihre Preise definieren.

In den Gängen der Kunstwelt, wo Leinwände und Bronzeskulpturen lange die unangefochtenen Herrscher waren, findet eine stille Revolution statt. Ein Material, so alt wie die Zivilisation selbst, erobert die Podeste der Galerien und die Portfolios vorausschauender Sammler: Ton. Für den Kenner, der nach der nächsten unterbewerteten Anlageklasse sucht, stellt sich nicht mehr die Frage, *ob* Keramik eine ernsthafte Investition ist, sondern *wie* man die Meisterwerke von morgen erkennt, bevor sie ihren wahren Wert entfalten.

Die üblichen Ratschläge – „Kaufen Sie, was Sie lieben“ – sind zwar gut gemeint, aber für einen strategischen Sammler unzureichend. Der wahre Wert von zeitgenössischer Keramik liegt nicht in ihrer Nützlichkeit als Vase oder Schale, sondern in ihrer Fähigkeit, als skulpturales Medium Grenzen zu verschieben. Es geht darum, die feinen Signale zu deuten: die innovative Technik, die Auszeichnung durch eine renommierte Jury, die Aufnahme in eine kuratierte Galerieausstellung. Dies sind die wahren Werttreiber, die ein handwerkliches Objekt in eine Kunstikone verwandeln.

Dieser Artikel dient als Ihr Kompass in diesem aufstrebenden Markt. Wir werden die Mechanismen entschlüsseln, die den Wert bestimmen, von den prämierten Techniken über die feine Linie zwischen Kunst und Handwerk bis hin zu den konkreten Strategien, wie Sie mit einem Budget von unter 5.000 € in den deutschen Markt einsteigen können. Wir betrachten Keramik nicht als Dekoration, sondern als strategische Anlageklasse, deren Potenzial gerade erst beginnt, sich zu entfalten.

Um Ihnen einen strukturierten Einblick in diese faszinierende Welt zu geben, gliedert sich der folgende Leitfaden in acht Kernbereiche. Jeder Abschnitt beleuchtet eine entscheidende Facette des Sammelns, von der künstlerischen Analyse bis zur praktischen Handhabung Ihrer wachsenden Kollektion.

Jenseits der Töpferscheibe: Welche Keramik-Techniken gewinnen gerade Kunstpreise?

Der Wert zeitgenössischer Keramik entsteht oft dort, wo Künstler die traditionellen Pfade verlassen. Während die Perfektion an der Töpferscheibe weiterhin eine Grundlage bildet, sind es heute vor allem experimentelle Ansätze, die Jurys und Sammler überzeugen. Wir beobachten eine klare Tendenz zur Grenzverschiebung: Künstler kombinieren Ton mit unkonventionellen Materialien, nutzen 3D-Druck zur Schaffung komplexer Geometrien oder entwickeln neue Glasurtechniken, die malerische oder fast alchemistische Oberflächen erzeugen. Diese Innovationen sind keine Spielereien; sie sind künstlerische Statements, die den Dialog über das Medium selbst vorantreiben.

Ein entscheidendes Signal für aufstrebende Talente in Deutschland sind renommierte Auszeichnungen. Der Richard-Bampi-Preis ist hierfür ein Paradebeispiel. Die Gesellschaft der Keramikfreunde vergibt diesen Preis, der nicht nur künstlerische Exzellenz, sondern auch eine eigenständige, innovative Position würdigt. Der Wettbewerb, der in Kooperation mit dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden stattfindet, ist eine Talentschmiede. Er fördert gezielt junge Keramiker, die in Deutschland arbeiten und das Potenzial haben, den Markt nachhaltig zu prägen. Eine Auszeichnung hier ist oft der erste Indikator für eine bevorstehende Wertsteigerung.

So ist beispielsweise die Prämie des Richard-Bampi-Preises mit 15.000 Euro dotiert, was nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern vor allem ein starkes Signal an den Kunstmarkt ist. Sammler sollten daher die Nominierten und Gewinner solcher Preise genau beobachten. Ihre Arbeiten definieren, welche Techniken und Konzepte heute als richtungsweisend gelten und morgen das Auktionsgeschehen bestimmen könnten.

Um die Bedeutung dieser Auszeichnungen vollständig zu erfassen, lohnt es sich, die Kriterien und prämierten Techniken genauer zu betrachten.

Sicherung gegen Erschütterung: Wie Sie Vasen und Schalen erdbebensicher präsentieren

Eine Investition in Keramik ist erst dann vollständig, wenn sie adäquat geschützt ist. Die Fragilität des Materials erfordert eine durchdachte Präsentation, die Ästhetik und Sicherheit miteinander verbindet. Jede unbeabsichtigte Erschütterung, sei es durch eine zuschlagende Tür oder Bauarbeiten in der Nachbarschaft, stellt ein Risiko dar. Professionelle Sammler und Museen greifen daher auf bewährte Methoden zurück, um ihre wertvollen Objekte zu sichern, ohne die visuelle Wirkung zu beeinträchtigen.

Der erste Schritt ist die Fixierung des Objekts auf seiner Standfläche. Spezielles Museums- oder Erdbebenwachs ist hier die erste Wahl. Diese transparenten, reversiblen Klebewachse schaffen eine feste, aber nicht permanente Verbindung zwischen dem Keramikboden und dem Regal oder Sockel. Sie absorbieren Vibrationen und verhindern, dass das Objekt bei leichten Stößen verrutscht oder umkippt. Für besonders wertvolle oder instabile Stücke sind maßgefertigte Vitrinen mit verdeckten Halterungen und Sicherheitsglas eine unumgängliche Investition.

Diese Vitrinen schützen nicht nur vor mechanischen Einwirkungen, sondern auch vor Staub und schädlicher UV-Strahlung, die empfindliche Glasuren ausbleichen kann.

Moderne Vitrine mit professioneller Beleuchtung zeigt wertvolle Keramikobjekte

Wie auf dem Bild zu sehen ist, ermöglicht eine professionelle Inszenierung nicht nur Schutz, sondern auch eine gezielte Betonung der künstlerischen Qualität durch Beleuchtung. Abschließend ist der Abschluss einer spezialisierten Kunstversicherung mit All-Risk-Deckung für fragile Objekte unerlässlich. Sie deckt Schäden ab, die über eine normale Hausratversicherung weit hinausgehen, und sichert so den finanziellen Wert Ihrer Sammlung. Diese drei Maßnahmen – Fixierung, Vitrine und Versicherung – bilden das Fundament für den langfristigen Erhalt Ihrer Keramik-Investments.

Die richtige Präsentation ist ein wesentlicher Teil der Wertsicherung, weshalb es sich lohnt, die Methoden zur sicheren Ausstellung zu verinnerlichen.

Gebrauchsgeschirr oder Skulptur: Wo verläuft die Grenze für den Sammlerwert?

Die vielleicht entscheidendste Frage für einen angehenden Sammler ist die Unterscheidung zwischen exzellentem Handwerk und relevanter Kunst. Eine handgedrehte Teeschale kann von makelloser Qualität sein, doch ihr Sammlerwert bleibt oft im Bereich des Kunsthandwerks. Eine skulpturale Form desselben Künstlers kann hingegen auf dem Kunstmarkt das Hundertfache erzielen. Der Schlüssel zur Wertbestimmung liegt im vorherrschenden Zweck des Objekts und der Intention des Künstlers.

Gebrauchskeramik ist primär funktional. Ihr Wert bemisst sich an der Qualität der Ausführung, der Ergonomie und der Langlebigkeit. Kunstkeramik hingegen dient einem ästhetisch-künstlerischen Zweck. Sie nutzt die Form des Gefäßes oft nur noch als Zitat oder Ausgangspunkt für eine freie skulpturale Auseinandersetzung. Hier zählen künstlerische Innovation, eine unverwechselbare Formensprache und die Signatur des Künstlers als Garant für die Einzigartigkeit. Produktionen in Kleinserien sind typisch für Gebrauchsware, während Kunstkeramik meist als Unikat oder in streng limitierten Auflagen existiert.

Diese Unterscheidung ist fundamental für den Aufbau einer wertstabilen Sammlung. Die Galerie Marianne Heller, eine der führenden Adressen für zeitgenössische Keramik in Deutschland, formuliert diesen Paradigmenwechsel präzise in einem Beitrag für das Magazin Neue Keramik – Das internationale Keramikmagazin:

Die Ausstellung WINNERS in der Galerie Marianne Heller versammelt internationale Werke, die das zeitgenössische Kunsthandwerk prägen – jenseits klassischer Kategorien und fern jeder funktionalen Einordnung. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, die sich durch gestalterische Qualität, Materialbewusstsein und eine unverwechselbare Formensprache auszeichnen.

– Galerie Marianne Heller, Neue Keramik – Das internationale Keramikmagazin

Die Grenze verläuft also dort, wo die Funktion in den Hintergrund tritt und das Objekt primär als Träger einer künstlerischen Idee fungiert. Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Wertfaktoren zusammen:

Gebrauchskeramik vs. Kunstkeramik: Wertfaktoren
Kriterium Gebrauchskeramik Kunstkeramik/Skulptur
Hauptzweck Funktional (Geschirr, Gefäße) Ästhetisch-künstlerisch
Produktion Oft Kleinserien Unikate oder limitierte Auflage
Wertbestimmung Handwerksqualität, Marke Künstlerische Innovation, Signatur
Sammlermarkt Liebhaber traditioneller Keramik Kunstsammler, Museen

Diese Differenzierung ist der Kern der Wertermittlung. Das Verständnis für diese feine, aber entscheidende Grenze ist für jeden Sammler unerlässlich.

Verpackung von Glaskunst: Warum Luftpolsterfolie allein oft nicht reicht

Der Erwerb eines wertvollen Keramikobjekts ist nur der halbe Erfolg; es sicher an seinen Bestimmungsort zu bringen, ist die andere. Viele Sammler unterschätzen die Risiken des Transports und verlassen sich auf unzureichende Materialien wie Luftpolsterfolie. Diese schützt zwar vor Kratzern, bietet aber kaum Widerstand gegen Stoß- und Druckbelastungen, die in der Logistikkette allgegenwärtig sind. Ein professioneller Kunsttransport folgt daher einem systematischen Ansatz, der als „Double-Boxing-Methode“ bekannt ist.

Diese Methode schafft mehrere Schutzebenen. Das Objekt selbst wird zunächst in weiches, säurefreies Seidenpapier gewickelt, um die Glasur zu schützen. Anschließend wird es in einer ersten, passgenauen inneren Box mit Schaumstoffpolstern so fixiert, dass es sich nicht mehr bewegen kann. Diese innere Box wird dann in eine zweite, deutlich größere äußere Box gestellt. Der entscheidende Zwischenraum von mindestens fünf Zentimetern an allen Seiten wird vollständig mit stoßdämpfendem Material wie Styropor-Chips oder speziellen Luftkissen aufgefüllt. Diese „schwebende“ Lagerung sorgt dafür, dass äußere Stöße die innere Box und damit das Kunstwerk nicht direkt erreichen.

Zusätzlich zu dieser physischen Sicherung sind zwei administrative Schritte von entscheidender Bedeutung. Erstens muss vor dem Versand ein detailliertes Zustandsprotokoll mit Fotos erstellt werden. Dieses Dokument ist im Versicherungsfall der entscheidende Beweis für den ursprünglichen Zustand des Objekts. Zweitens sollte für wertvolle Stücke immer ein spezialisierter Kunstversand einem Standard-Paketdienst vorgezogen werden. Diese Dienstleister sind auf den Umgang mit fragilen Gütern geschult und bieten oft klimatisierte Transporte und eine lückenlose Überwachung an.

Checkliste für den sicheren Versand Ihrer Keramikkunst

  1. Objektvorbereitung: Wickeln Sie das Kunstwerk vollständig in säurefreies Seidenpapier ein und fixieren Sie es mit Schaumstoffpolstern in einer passgenauen inneren Box.
  2. Double-Boxing: Platzieren Sie die innere Box in einer mindestens 5 cm größeren äußeren Box und füllen Sie den gesamten Zwischenraum mit stoßdämpfendem Füllmaterial.
  3. Dokumentation: Erstellen Sie vor dem Verschließen ein detailliertes Zustandsprotokoll mit hochauflösenden Fotos aus allen Perspektiven.
  4. Versandpartner-Wahl: Beauftragen Sie einen auf Kunsttransporte spezialisierten Spediteur anstelle eines herkömmlichen Paketdienstes.
  5. Versicherung: Prüfen Sie, ob der Transport durch Ihre Kunstversicherung abgedeckt ist oder ob eine zusätzliche Transportversicherung abgeschlossen werden muss.

Die Beherrschung dieser Verpackungstechnik ist eine non-verbale Kommunikation Ihrer Wertschätzung für das Objekt. Jeder Schritt dieses Prozesses ist entscheidend für den Werterhalt.

Kintsugi oder unsichtbare Klebung: Wie gehen Sie mit Beschädigungen um?

Ein Schaden an einem Keramikobjekt ist für viele Sammler ein Albtraum. Doch in der zeitgenössischen Kunstauffassung, insbesondere unter dem Einfluss japanischer Ästhetik, kann eine Beschädigung auch eine neue Ebene der Bedeutung und Schönheit eröffnen. Die entscheidende Frage ist nicht *ob*, sondern *wie* man mit einem Bruch umgeht. Grundsätzlich stehen sich zwei Philosophien gegenüber: die unsichtbare Restaurierung, die den ursprünglichen Zustand wiederherstellen will, und das Kintsugi, das die Reparatur als Teil der Geschichte des Objekts zelebriert.

Die unsichtbare Klebung durch einen professionellen Restaurator zielt darauf ab, den Schaden so spurlos wie möglich zu beheben. Mit speziellen Klebstoffen und Retuschen wird versucht, die Illusion der Makellosigkeit wiederherzustellen. Dieser Ansatz ist oft bei klassischer Keramik oder bei Objekten sinnvoll, deren Wert stark von ihrer Perfektion abhängt. In der zeitgenössischen Kunstszene gewinnt jedoch die zweite Philosophie zunehmend an Bedeutung. Das Auftreten von Künstlern, die traditionelle Konzepte hinterfragen, verändert die Perspektive auf das, was als „perfekt“ gilt.

Nahaufnahme einer mit goldener Kintsugi-Technik reparierten Keramikschale

Kintsugi (金継ぎ, „Goldverbindung“) ist die japanische Kunst, Brüche nicht zu verstecken, sondern sie mit einem Lack zu kitten, der mit Gold-, Silber- oder Platinpulver bestreut ist. Die Bruchlinien werden zu goldenen Adern, die die Geschichte des Objekts erzählen und seine Einzigartigkeit betonen. Diese Technik verkörpert die Philosophie des Wabi-Sabi, die Schönheit in der Unvollkommenheit und Vergänglichkeit findet. Für einen zeitgenössischen Sammler kann ein professionell ausgeführtes Kintsugi den Wert eines Objekts sogar steigern, da es ihm eine zusätzliche narrative und ästhetische Dimension verleiht. Die Entscheidung hängt letztlich vom Objekt, dem Künstler und der eigenen Sammelphilosophie ab: Streben Sie nach makelloser Perfektion oder nach einer tiefgründigen Geschichte?

Die Auseinandersetzung mit der Frage der Reparatur ist eine tiefgreifende Reflexion über den Wert von Kunst. Die Wahl zwischen Verbergen und Zelebrieren sagt viel über die eigene Sammleridentität aus.

Warum gewinnt ein unbekannter Künstler plötzlich 200 % an Wert?

Der kometenhafte Aufstieg eines zuvor unbekannten Keramikkünstlers ist selten ein Zufall. Es ist vielmehr das Ergebnis einer Kette von Ereignissen und Signalen, die von aufmerksamen Sammlern frühzeitig erkannt werden können. Der Keramikmarkt in Deutschland, dessen Produktionswert der deutschen Keramikindustrie 2023 rund 5,3 Milliarden Euro betrug, ist ein Ökosystem mit klaren Mechanismen. Ein plötzlicher Wertzuwachs wird oft durch eine Kombination aus drei Faktoren ausgelöst: institutionelle Anerkennung, Aufnahme durch eine einflussreiche Galerie und steigende Auktionsergebnisse.

Institutionelle Anerkennung ist der erste und wichtigste Katalysator. Wie die Gesellschaft der Keramikfreunde e.V. bezüglich des Richard-Bampi-Preises hervorhebt, ist der Weg in die Museen oft ein direkter Nebeneffekt solcher Auszeichnungen. Die Aufnahme in eine Museumssammlung ist eine offizielle Bestätigung der künstlerischen Relevanz und schafft eine solide Provenienzkette.

Künstlerisch hochbegabte Keramikerinnen und Keramiker unter 35 Jahren, die selbstständig in der Bundesrepublik Deutschland arbeiten, können sich beteiligen. Bisherige Preisträger sind mit ihren Arbeiten dank eines Ankaufs durch die Gesellschaft der Keramikfreunde in deutschen Museen vertreten.

– Gesellschaft der Keramikfreunde e.V., Richard Bampi Preis 2025 Ausschreibung

Der zweite Schritt ist die Aufnahme durch eine führende Galerie. Eine etablierte Galerie investiert in den Künstler, promotet seine Arbeit auf internationalen Messen und platziert sie in wichtigen privaten Sammlungen. Dies erhöht die Sichtbarkeit und schafft eine Nachfrage, die es zuvor nicht gab. Schließlich spiegeln die Auktionsergebnisse diesen gestiegenen Status wider. Wenn die ersten Werke des Künstlers bei Auktionen Preise erzielen, die weit über den ursprünglichen Galeriepreisen liegen, ist dies das finale Signal an den Markt, dass ein neuer Stern geboren ist. Ein Anstieg von 200 % ist in solchen Fällen keine Seltenheit, sondern die logische Konsequenz einer erfolgreichen strategischen Etablierung.

Das Verstehen dieser Wertschöpfungskette ist der Schlüssel. Die Mechanismen hinter dem plötzlichen Erfolg zu erkennen, ermöglicht es, vor der breiten Masse zu investieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Sammlerwert wird durch künstlerische Innovation bestimmt, nicht durch Funktionalität. Suchen Sie nach Unikaten und limitierten Auflagen.
  • Preise wie der Richard-Bampi-Preis sind entscheidende Frühindikatoren für zukünftige Wertsteigerungen auf dem deutschen Markt.
  • Eine professionelle Präsentation und Sicherung (Museumswachs, Vitrine, Versicherung) ist ein integraler Bestandteil des Werterhalts.

Sockel oder freistehend: Wie präsentieren Sie dreidimensionale Kunst im Wohnraum?

Die Präsentation dreidimensionaler Kunst wie Keramikskulpturen im Wohnraum ist eine Kunst für sich. Die falsche Aufstellung kann das beste Werk banal erscheinen lassen, während die richtige Inszenierung seine Wirkung potenziert. Die Entscheidung zwischen einer freistehenden Platzierung und der Nutzung eines Sockels hängt von der Größe, Form und dem Charakter des Objekts ab. Ein Sockel hat die primäre Funktion, das Kunstwerk aus dem alltäglichen Kontext herauszuheben und ihm eine eigene, geschützte Bühne zu geben. Er signalisiert: „Dies ist kein Gebrauchsgegenstand, sondern ein Kunstobjekt.“

Für kleinere bis mittelgroße Objekte ist ein minimalistischer Sockel in neutralen Farben (Weiß, Grau, Schwarz) oft die beste Wahl. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf das Werk, ohne selbst in den Vordergrund zu treten. Große, bodenständige Skulpturen können hingegen oft freistehend im Raum platziert werden, um eine direktere, physische Beziehung zum Betrachter aufzubauen. In jedem Fall ist eine ausreichende „Luft“ um das Objekt entscheidend. Eine Keramikskulptur sollte niemals in eine Ecke gequetscht oder von anderen Deko-Gegenständen umringt sein. Sie benötigt Raum, um ihre volle dreidimensionale Qualität zu entfalten.

Ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor ist die Beleuchtung. Das richtige Licht kann Texturen, Glasureffekte und Konturen auf dramatische Weise hervorheben. Hier sind einige professionelle Strategien:

  • Verwenden Sie LED-Spots mit warmweißem Licht (ca. 3000 Kelvin), um eine natürliche und angenehme Farbwiedergabe zu gewährleisten.
  • Experimentieren Sie mit indirekter Beleuchtung von unten, um bei skulpturalen Formen dramatische Schattenwürfe und eine fast schwebende Wirkung zu erzeugen.
  • Wählen Sie stets UV-freie Leuchtmittel, um ein Ausbleichen empfindlicher Glasuren über die Jahre zu verhindern.
  • Installieren Sie Dimmer, um die Lichtintensität flexibel an die Tageszeit und die gewünschte Stimmung anpassen zu können.

Wie Experten betonen, erfordern Arbeiten von höchster handwerklicher Perfektion eine entsprechende Präsentation. Die Investition in einen guten Sockel und eine durchdachte Beleuchtung ist keine Nebensache, sondern die Vollendung des Sammelaktes.

Die Inszenierung ist der letzte Akt der Wertschätzung. Die Prinzipien der optimalen Präsentation zu meistern, ist daher für jeden ernsthaften Sammler essenziell.

Investieren in zeitgenössische Kunst: Startstrategien für Budgets unter 5.000 €

Der Einstieg in den Kunstmarkt muss kein Privileg von Millionären sein. Gerade der Markt für zeitgenössische Keramik bietet enorme Chancen für Sammler mit einem Budget unter 5.000 €. Der Schlüssel liegt darin, dort zu suchen, wo der Wert von morgen entsteht: an den Kunsthochschulen und in den jungen, aufstrebenden Galerien. Der gesamte Markt für Glas und Keramik wächst stetig, und Prognosen deuten auf eine positive Entwicklung hin, was das Potenzial für Wertsteigerungen unterstreicht.

Vergessen Sie die großen Auktionshäuser. Ihr Jagdrevier sind die Absolventenausstellungen deutscher Kunsthochschulen, die für ihre exzellenten Keramikklassen bekannt sind, wie die Burg Giebichenstein in Halle oder die HfBK Dresden. Hier können Sie die Arbeiten der vielversprechendsten Talente oft direkt aus dem Atelier zu Preisen erwerben, die nur einen Bruchteil dessen betragen, was sie wenige Jahre später in einer Galerie kosten werden. Sie investieren nicht nur in ein Objekt, sondern direkt in die Karriere eines Künstlers.

Spezialisierte Messen und Märkte sind eine weitere Goldgrube. Die Grassimesse in Leipzig oder der Keramikmarkt in Diessen am Ammersee sind Pflichttermine für jeden, der den Puls des Marktes fühlen will. Hier treffen Sie die Künstler persönlich und können ein Gefühl für Qualität und Trends entwickeln. Nutzen Sie zudem junge Galerien in Kunstmetropolen wie Berlin, München oder Köln, die sich auf Entdeckungen spezialisiert haben. Sie leisten die kuratorische Vorarbeit und bieten oft einen guten Einstiegspunkt. Für den Anfang können auch seriöse Online-Galerien mit einem transparenten Rückgaberecht eine gute Option sein, um ohne Druck erste Käufe zu tätigen. Ein wichtiger Hinweis für strategische Investoren in Deutschland: Beachten Sie die einjährige Spekulationsfrist. Gewinne aus dem Verkauf von Kunstwerken sind nach Ablauf dieser Frist steuerfrei.

Hier ist ein konkreter Fahrplan für Ihre ersten Schritte:

  • Besuchen Sie Absolventenausstellungen der Kunsthochschulen (z.B. Burg Giebichenstein, HfBK Dresden).
  • Erkunden Sie spezialisierte Messen wie die Grassimesse Leipzig oder den Keramikmarkt Diessen.
  • Nutzen Sie junge Galerien in Berlin, München und Köln für kuratierte Entdeckungen.
  • Testen Sie Online-Galerien mit transparentem Rückgaberecht für erste, risikofreie Käufe.

Um Ihre Strategie zu verfeinern, ist es entscheidend, sich an die fundamentalen Kriterien der Wertermittlung zu erinnern, die wir zuvor diskutiert haben. Die Unterscheidung zwischen Kunst und Handwerk bleibt Ihr wichtigster Kompass.

Beginnen Sie Ihre Reise als Sammler mit diesem Wissen. Seien Sie neugierig, bilden Sie Ihr Auge und Ihr Urteilsvermögen aus, und entdecken Sie die nächste Generation von Kunstwerken, bevor sie im Rampenlicht der großen Auktionshäuser stehen. Ihre Chance, das „neue Gold“ der Kunstwelt zu heben, war nie größer.

Geschrieben von Elke Rothenberg, Bildhauerin und Diplom-Restauratorin mit eigenem Atelier für Skulptur und Keramik. Spezialistin für Werkstoffkunde, Gusstechniken und die konservatorische Pflege von dreidimensionaler Kunst.